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02 Juli 2026

Biken in Zugarramurdi – Hexen, Legenden und Pakte mit dem Teufel

Manche Orte besucht man einfach.

Andere erlebt man mit allen Sinnen.

Zugarramurdi gehört zu jener seltenen Art von Reisezielen, die die Fantasie schon lange vor dem ersten Tritt in die Pedale beflügeln. Ein kleines Dorf im Norden Navarras, nur wenige Kilometer von der französischen Grenze entfernt, in dem Natur und Geschichte seit Jahrhunderten untrennbar miteinander verbunden sind.

Weltweit bekannt durch die legendären Hexen von Zugarramurdi und einen der berüchtigtsten Hexenprozesse der spanischen Geschichte, ist dieser Winkel des Xareta-Tals weit mehr als nur ein Ort voller Mythen und Legenden. Er zählt zugleich zu den außergewöhnlichsten Mountainbike-Destinationen der Atlantischen Pyrenäen.

Mein Abenteuer beginnt in den engen, von Naturstein gesäumten Gassen des Dorfes. Schon bald lasse ich den Asphalt hinter mir und tauche in eine Landschaft ein, die in Spanien ihresgleichen sucht. Die trockene Umgebung weicht weitläufigen Atlantikwäldern mit uralten Eichen, Buchen und Kastanien. Moos bedeckt nahezu jeden Felsen, riesige Farne säumen die Trails, und die allgegenwärtige Feuchtigkeit verleiht der Landschaft eine beinahe mystische Atmosphäre.

Schon auf den ersten Metern wird klar: Das ist keine einfache Tour. Schmale Singletrails, rutschige Wurzeln, nasse Felsen und unzählige Höhenmeter machen die Strecke zu einem Paradies für technisch anspruchsvolles Mountainbiken. Jede Kurve verlangt höchste Konzentration, doch jeder Meter belohnt mit einem einzigartigen Gefühl von Abenteuer.

Mit zunehmender Höhe verändert sich die Landschaft allmählich. Die dichten Wälder weichen offenen Weiden, von denen sich die ersten Ausblicke auf Frankreich eröffnen. Die Atlantischen Pyrenäen zeigen dabei ein völlig anderes Gesicht als die schroffen Hochgebirgslandschaften, die viele mit diesem Gebirge verbinden. Statt dramatischer Felswände prägen sanfte, endlos wirkende grüne Hügel das Bild – geformt über Jahrtausende von Regen, Wind und dem feuchten Atlantikklima, das diese Region bestimmt.

Über Jahrhunderte hinweg waren diese Berge weit mehr als nur eine natürliche Grenze. Hirten, Händler und Schmuggler nutzten dieselben Pfade, um zwischen Spanien und Frankreich Tabak, Lebensmittel, Werkzeuge und zahlreiche weitere Waren zu transportieren. Die Berge waren zugleich Grenze und unverzichtbare Verbindung zwischen beiden Ländern.

Die Tierwelt begleitet die Tour den ganzen Tag. Pferde und Rinder grasen frei auf den Hängen, während Gänsegeier lautlos über den aufsteigenden Thermiken kreisen. Alles strahlt hier eine Ruhe aus, wie sie heute nur noch selten zu finden ist.

Doch wenn es etwas gibt, das Zugarramurdi wirklich einzigartig macht, dann ist es seine Geschichte.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts führten Angst und Aberglaube zu einem der größten Hexenprozesse der spanischen Geschichte. Dutzende Bewohner wurden beschuldigt, an angeblichen Hexensabbaten in den nahegelegenen Höhlen teilgenommen zu haben. Viele wurden verhaftet, vor Gericht gestellt und hingerichtet – ein düsteres Kapitel der Spanischen Inquisition.

Heute bewahrt das Hexenmuseum die Erinnerung an diese Ereignisse aus historischer und menschlicher Perspektive und zeigt eindrucksvoll, wie Angst eine ganze Gemeinschaft verändern konnte.

Nur wenige Gehminuten entfernt liegen die berühmten Höhlen von Zugarramurdi. Ein spektakulärer, über Jahrtausende vom Wasser geschaffener Naturtunnel, durch den ein kleiner Bach fließt, der als „Höllenbach“ bekannt ist. Hier verschmelzen Geologie, Geschichte und Folklore zu einem der außergewöhnlichsten Naturdenkmäler Navarras.

Doch Zugarramurdi entdeckt man nicht nur über seine Geschichte, sondern auch über seine Kultur und seine Küche. Die Viehzucht prägt bis heute den Alltag im Tal. Die einheimischen Latxa-Schafe liefern die Milch für den berühmten Idiazabal-Käse. Spezialitäten wie Txistorra-Wurst, Lammbraten, Bohnen, Wildpilze und kräftige Berg-Eintöpfe spiegeln den unverwechselbaren Charakter dieser Region wider.

Nach einer Tour auf diesen Trails versteht man schnell, warum dieser kleine Flecken Nordspaniens seit Jahrzehnten Filme, Romane und Dokumentationen inspiriert. Natur, Geschichte, Kultur und Mountainbiken verbinden sich hier auf eine Weise, wie sie nur wenige Reiseziele bieten können.

Zugarramurdi zeigt eindrucksvoll, dass eine Mountainbike-Tour weit mehr sein kann als nur ein weiterer Tag im Sattel. Sie wird zu einer Reise durch Landschaften, Geschichte und Traditionen, bei der jeder Wald, jeder Trail und jeder Stein seine eigene Geschichte zu erzählen scheint.

Denn genau das liebe ich am Reisen mit dem Bike.

Es geht nie nur darum, Kilometer zu sammeln.

Es geht darum, Orte zu entdecken, die einen noch lange begleiten, nachdem man aufgehört hat zu treten.

Text & Ride: David Cachón
Fotografie: Ismael Ibáñez

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