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Wo die Straße beginnt, kehrt das Kind zurück
„Am Fahrrad gibt es etwas, das die Zeit nie abnutzen konnte. Egal, wie viele Jahre vergehen, wie viele Kilometer ich sammle oder wie viele Routen ich auf der Karte zeichne: Jedes Mal, wenn ich aufsteige, kehrt etwas in mir zum Ausgangspunkt zurück.“
Am Fahrrad gibt es etwas, das die Zeit nie abnutzen konnte. Egal, wie viele Jahre vergehen, wie viele Kilometer ich sammle oder wie viele Routen ich auf der Karte zeichne: Jedes Mal, wenn ich aufsteige, kehrt etwas in mir zum Ausgangspunkt zurück. Zu genau jenem Moment, in dem alles neu war, in dem es keine Grenzen gab und in dem Gefühle keiner Erklärung bedurften. Für mich ist das Fahrrad noch immer genau das: eine Zeitmaschine, die mich zurück zum Wesentlichen bringt, zu dem Kind, das die Welt Tritt für Tritt entdeckte.
Denn es gibt viele Arten, das Fahrrad zu verstehen. Manche messen es in Watt, in Zeiten oder in Ergebnissen. Andere erleben es als Flucht, als Therapie, als Routine. Und dann gibt es diejenigen unter uns, die es als Tür sehen. Eine Tür ins Unbekannte, zu Orten, die nicht immer auf Karten erscheinen, zu Geschichten, die noch nicht erzählt wurden. Ich liebe all seine Formen, jede Disziplin, jede Art, es zu leben … aber was mich wirklich fasziniert, ist die ständige Suche nach besonderen Orten, nach Szenen, die wirken, als hätten sie darauf gewartet, dass jemand entschlossen genug ist, sie zu erreichen.
Alles beginnt lange vor der Fahrt. Es beginnt zu Hause, vor einer Karte, einem Bildschirm oder in einem Gespräch. Es beginnt mit der Vorstellungskraft. Unsichtbare Linien zu Orten zu ziehen, die in meiner Erinnerung noch nicht existieren, sich aber bereits wie meine eigenen anfühlen. Genau jenen Punkt zu suchen, an dem Abenteuer entstehen kann. Verborgene Monumente, vergessene Pfade, Landschaften, die mehr als nur den Wunsch verlangen, erreicht zu werden. Und genau in diesem Prozess bewegt sich der Geist voraus, spielt, erschafft eine Geschichte, noch bevor sie gelebt wird.
Die Reise: „Dann beginnt die Reise. Und mit ihr die Realität. Sie ist nicht immer so, wie man sie sich vorgestellt hat … aber fast immer besser. Denn unterwegs geschieht etwas. Es geschieht immer etwas. Manchmal kleine Rückschläge, manchmal unerwartete Begegnungen.“
Dann beginnt die Reise. Und mit ihr die Realität. Sie ist nicht immer so, wie man sie sich vorgestellt hat … aber fast immer besser. Denn unterwegs geschieht etwas. Es geschieht immer etwas. Manchmal kleine Rückschläge, manchmal unerwartete Begegnungen. Menschen, die auftauchen, ohne dass man sie gesucht hat, und die – ohne dass man es sofort merkt – Teil der Geschichte werden. Mitfahrer, Filmemacher, Fotografen … die aufhören, nur ein Team zu sein, und zu Freunden werden. Und genau dort beginnt alles Sinn zu ergeben.
Denn am Ende geht es nicht nur ums Ankommen. Es geht um das, was auf dem Weg dorthin passiert.
Dieser Moment, in dem du den Ort entdeckst, den du dir tagelang, wochenlang oder monatelang vorgestellt hast. Wie das Licht genau so fällt, wie du es dir erträumt hast … oder völlig anders. Dieser Augenblick, in dem du beschließt anzuhalten, die Kamera herauszunehmen oder einfach stehen zu bleiben und zu beobachten. Weil du weißt, dass das, was vor dir liegt, nicht nur eine Landschaft ist. Es ist eine Geschichte. Es ist das Ergebnis jeder Entscheidung, jedes Tritts, jedes Zweifels, den du ignoriert hast.
Und dann machst du das Foto. Oder nimmst den Clip auf.
Und vielleicht bist du dir in diesem Moment nicht ganz bewusst, aber du hast gerade etwas festgehalten, das weit größer ist als ein Bild. Du hast eine Emotion eingefangen. Eine Erinnerung.
Text & Story von David Cachon • Fotografie von Ismael Iba

